Herbstgespräch im Bezirk Grieskirchen

„Hohe Standards sind gut, aber bitte für alle"

seiringer/ooe.bauernbund

OÖ: „Herbstgespräch am Bauernhof“ mit LKÖ-Präsident Moosbrugger Aktuelle Herausforderungen der Land- und Forstwirtschaft im Fokus

Entscheidende Zukunftsthemen brachte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, heute beim „Herbstgespräch am Bauernhof“ in Oberösterreich zur Sprache. Dieses ist vom OÖ. Bauernbund am Hof der Familie Doppelmair in St. Thomas (Bezirk Grieskirchen) organisiert worden. Zu den angesprochenen Herausforderungen zählten u.a. das EU-Agrarbudget, die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), eine verbesserte Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln sowie zahlreiche regionale Themen.

Moosbrugger kam direkt vom Kongress der europäischen Landwirte, der derzeit – von 10. bis 11.10. – in Linz stattfindet. Heiße Diskussionen gibt es dem LK Österreich-Präsidenten zufolge vor allem über den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU und die GAP-Weiterentwicklung. „Was derzeit auf dem Tisch liegt, ist kein Budget-Vorschlag, sondern vielmehr ein Anschlag auf die Bäuerinnen und Bauern. Mehr Leistungen für immer weniger Geld kann es nicht geben“, unterstrich Moosbrugger.

Nachhaltige, bäuerliche Familienlandwirtschaft erhalten    

"Ein Minus von 15% in der Ländlichen Entwicklung, dem Herzstück der österreichischen Agrarpolitik, ist untragbar. Hier braucht es massive Nachbesserungen, schließlich geht es dabei um Umweltmaßnahmen, benachteiligte Gebiete, die in Österreich immerhin 80% der Landesfläche ausmachen, Junglandwirte, Bio und vieles mehr“, warnte der LK Österreich-Präsident. „90% unserer Betriebe sind bäuerliche Familienunternehmen und das soll so bleiben.“ Den europäischen Bauernkongress nützt Moosbrugger, um die Herausforderungen und Positionen seiner europäischen Kolleginnen und Kollegen auszuloten, österreichische Anliegen zu verankern und Allianzen mit Gleichgesinnten zu schmieden. Am morgigen Donnerstag werden zentrale Forderungen der heimischen Land- und Forstwirtschaft zudem an EU-Agrarkommissar Phil Hogan übergeben.

Leistungsvielfalt keine Selbstverständlichkeit    

"Wichtig ist, einerseits den Entscheidungsträgerinnen und -trägern und andererseits auch der gesamten Bevölkerung zu vermitteln, dass es hier in wesentlichem Maße um Sicherheit und Stabilität geht. Wenn manche meinen, dass es ja „nur“ um 3,9% der Beschäftigten geht, dann liegen sie falsch. Es geht um nichts Geringeres als um 100% der Konsumentinnen und Konsumenten, die auf eine sichere, hochqualitative Lebensmittel-Versorgung zählen. Es geht aber genauso um 100% der Bevölkerung, die auf die gesamte Leistungsvielfalt der Bäuerinnen und Bauern angewiesen sind. Unser hohes Maß an Umwelt- und Tierschutz, Landschaftspflege, sauberem Trinkwasser etc. ist keine Selbstverständlichkeit“, unterstrich der LK Österreich-Präsident in St. Thomas. Die Devise laute „Nicht ruinieren, sondern investieren – in einen zukunftsträchtigen ländlichen Raum“.

Ein Thema, auf das Moosbrugger besonderen Wert legt, ist die Fairness im Lebensmittelhandel, wo sich heimische Qualitätserzeugnisse gegen billige Importwaren behaupten müssen. „Ständig wird getrommelt, wie wir Landwirte produzieren sollen und welch immer höhere Standards wir zu erfüllen haben. Derartige Forderungen werden oft noch medienwirksam mit Konsumentenbefragungen untermauert. Mit Worten ist die heimische Qualitätsproduktion allerdings schnell unterstützt. Im Endeffekt kommt es jedoch auf die Taten an. Beim täglichen Einkauf darf nicht vergessen werden, was in Gesprächen noch glühend gefordert worden ist. Die Erwartungshaltung muss sich letztendlich in der Einkaufshaltung widerspiegeln“, betonte Moosbrugger.

Moosbrugger für Chancen- und Wettbewerbsgleichheit im Handel    

„Hohe Standards sind gut, aber bitte für alle. Wir sind gerne bereit, alles zu bieten, was Regierung und Gesellschaft von uns erwarten. Allerdings darf dann auch nur das in den Regalen zu finden sein, was diesen Anforderungen entspricht. Ansonsten ist das nichts anderes als eine klare Wettbewerbsverzerrung und krasse Unehrlichkeit“, so der LK Österreich-Präsident, der sich für eine Chancengleichheit einsetzt. „Wichtig im Handel ist eine klare, auf den ersten Blick ersichtliche Herkunftskennzeichnung, etwa mittels AMA Gütesiegel in entsprechender Größe. Niemand hat Zeit und Lust, bei jedem einzelnen Produkt millimetergroße Aufschriften zu studieren.“

„Gut zu Wissen – Wo unser Essen herkommt“ forciert Herkunftskennzeichnung                                  

Da Herkunftskennzeichnung aber auch in anderen Bereichen wichtig ist, stellte Moosbrugger die LK Österreich-Initiative „Gut zu wissen – Wo unser Essen herkommt“ vor. Diese forciert seit 2,5 Jahren die freiwillige Herkunftskennzeichnung von Fleisch und Eiern in der Gemeinschaftsverpflegung und wird neuerdings auch vom Bauernbund Österreich unterstützt. Das Herbstgespräch in St. Thomas wurde vom OÖ. Bauernbund auch dazu genützt, um „Gut zu wissen“-Informationsfolder, Stecktafeln und Banner auszuteilen. Damit können sich die Bäuerinnen und Bauern selbst an der Initiative beteiligen und für die regionale Herkunftskennzeichnung stark machen.

Foto vlnr. BB-Bezirksobmann Bgm. Martin Dammayr, LKR Mag. Daniela Burgstaller, LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger, Bezirksbäuerin Gerlinde Mallinger, OBO Johannes Zehentner 


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