Zukunft Landwirtschaft 2030

OÖ Strategieprozess zwischen Tierwohl und Weltmarktpreisen

v.l. Siegfried Pöchtrager, Werner Habermann, Karl Grabmayr, Max Hiegelsberger, Christian Dürnberger, Hubert Huber; Photo Land OÖ/Heinz Kraml

Der in Oberösterreich initiierte Strategieprozess "Zukunft Landwirtschaft 2030" machte gestern mit seiner Dialogplattform in der LWS Burgkirchen Halt. 200 Teilnehmer beschäftigten sich dabei mit der Zukunft der Rinderwirtschaft und brachten ihre persönliche Sicht der Dinge ein. Von der engen Einbindung der heimischen Rinderwirtschaft in den Weltmarkt bis zur sich noch verstärkenden Tierwohl-Debatte wurden die entscheidenden Fragen des Sektors diskutiert.

In keinem anderen Bundesland ist die tierische Produktion von so großer Bedeutung wie in Oberösterreich - die Versorgung mit Fleisch- und Milchprodukten ist ein zentraler Wirtschaftssektor. "Alleine ihr Produktionswert von 670 Mio. Euro unterstreicht den enormen Stellenwert. Die Rinderhaltung weist in Oberösterreich eine große Vielfalt auf. Zwischen der extensiven und traditionellen Mutterkuhhaltung einerseits und hochautomatisierten Freilaufställen andererseits finden 8000 Betriebe jeweils ihren eigenen Weg. In welche Richtung sich der Sektor entwickeln wird, wurde heute intensiv diskutiert", so Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Die große Stärke des laufenden Strategieprozesses sieht er darin, vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, mitzudiskutieren und dabei auch vorausschauend heikle Themen anzusprechen.

Ethik in der Tierhaltung: Über das Recht, Tiere zu schlachten

Christian Dürnberger beschäftigt sich am Messerli Forschungsinstitut in Wien mit Fragen der landwirtschaftlichen Ethik. In seinem Vortrag widmete er sich den Ansprüchen der Gesellschaft an die Landwirtschaft.

Der Wissenschafter attestiert der Gesellschaft Gespaltenheit im Verhältnis zur Landwirtschaft. So würden aktuell zwei verschiedenen Arten der Landwirtschaft eingefordert - eine fürs Gemüt und eine für die Geldbörse. Fest stehe, dass die heimischen Bauern sichere, leistbare Lebensmittel auf der Höhe der guten fachlichen Praxis produzieren und dabei ihre besondere Verantwortung für Umwelt, Klima und Tier wahrnehmen, so Dürnberger. Gleichzeitig müssen Tierwohl und die Klimarelevanz der Landwirtschaft noch stärker in die tägliche Arbeit eingebunden und diese Anstrengungen auch entsprechend kommuniziert werden. Dürnberger fordert auch, junge Landwirte in der Ausbildung darauf vorzubereiten, dass sie einen Beruf ausüben, der teils sehr kritisch gesehen wird und ihnen damit das entsprechende Rüstzeug mitzugeben, damit auch umzugehen.

Der Experte verwies auch auf ein Umdenken in der Gesellschaft. "War es bisher klarer Konsens, dass Tiere für den menschlichen Gebrauch gehalten und schlussendlich auch geschlachtet werden können, so gerät diese allgemein gültige Meinung gerade ins Wanken. Tieren wird aus dieser Perspektive ein ähnliches Recht auf ein gutes Leben zugestanden wie es aktuell den Menschen vorbehalten ist. Schlussendlich müssen sich die Gesellschaft und die Politik die alles andere als einfache Frage stellen: Wollen wir auch in Zukunft eine Nutztierhaltung in Österreich oder nicht? Und wenn ja, welche?", so Dürnberger.

Rindfleischproduktion in Österreich: Qualität hat Vorrang

Klare Worte zur Situation der Rindfleischproduktion in Österreich fand auch Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind. Heimisches Rindfleisch ist aufgrund der Betriebsstruktur, der Produktionskosten und der Haltungsbedingungen klar teurer als vergleichbare Importware. Die Vermarktung ist und bleibt daher eine Herausforderung. Für den höheren Preis muss die Qualität des heimischen Fleisches gesichert sein. Habermann setzt daher eindeutig auf Qualitätsprogramme. Sie ermöglichen eine Differenzierung am Markt, wodurch sich österreichische Erzeugnisse klar von Importware abheben können. Die Sicherung des Heimmarktes ist die eine Sache, bei 145% Eigenversorgungsgrad müssen aber auch entsprechende Exportmärkte gefunden werden. Österreich ist fest in die globalen Handelsströme eingebunden. Diese verändern sich infolge von Freihandelsabkommen oder den Verwerfungen durch den Brexit laufend.

"Die Fokussierung auf höchste Qualität lässt uns auf dem Inlandsmarkt bestehen und macht uns auch im Export erfolgreich. Mein klarer Wunsch an die Agrarpolitik ist es daher, auch in Zukunft Vermarktungsorganisationen zu unterstützen. Nur so kann Einkommen für die Betriebe geschaffen werden. Denn eines muss klar gesagt werden: Österreichisches Rindfleisch von Betrieben, die an keinem Qualitätsprogramm teilnehmen, geht überwiegend in den Export", betonte Habermann.

Klare Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie gefordert

Der Wunsch und das klare mündliche Bekenntnis der Verbraucher zu heimischen Produkten müssen auch im Einkaufsverhalten sichtbar werden. Es braucht dazu eine klare Kennzeichnung der Fleischherkunft in der Gastronomie sowie in der Gemeinschaftsverpflegung, so Habermann weiter.

Die nächste Dialogplattform findet am 20. Jänner 2020 in der LWBFS Lambach zu den Themen Ackerbau und Schweinehaltung statt.


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