“Red mit den Bauern”: Junge Landwirte reagieren auf Ja!Natürlich-Werbespot

Junge Landwirte haben ihren eigenen Film gedreht. Dieser soll zeigen, dass jeder Bauer - ob Bio oder nicht - auf seinen Boden schaut. Der Bauernbund hat gleichzeitig mit den Ja!Natürlich-Verantwortlichen gesprochen. Die Bemühungen zeigen Erfolg: Der Spot wurde zurückgezogen und wird neu gemacht.

Einige der "Masterminds" hinter dem Video (v.l.): Manfred Ganglbauer, Edi Wolfinger, Florian Huemer, Matthias Gaißberger, "Film-Bauer" Hannes Krahwinkler und "Film-Sohn" Maxi Eisenhuber.

“Ehrliche Landwirtschaft braucht ehrliche Werbung. Egal ob Bio oder Nicht.” Das ist die Botschaft, die eine Gruppe junger oberösterreichischer Landwirte mit einem Video vermitteln will. Auslöser dazu war ein Werbespot der Bio-Handelsmarke “Ja!Natürlich”, der viele Bauern verärgert hatte. Darin wurde suggeriert, dass es Regenwürmer nur im Bio-Boden gäbe, der konventionelle Boden dagegen tot sei (siehe Artikel).

“Werbung darf vieles, aber sie soll keinen Keil zwischen die Bauern treiben”, sagt Matthias Gaißberger aus Adlwang, einer der jungen Landwirte, die sich den Werbespot von Ja!Natürlich nicht gefallen lassen wollten. Als Gruppe von jungen Bäuerinnen und Bauern aus Gemeinden des Bezirks Steyr-Land (Adlwang, Bad Hall, Schiedlberg, Sierning, St. Florian und Waldneukirchen) haben sie sich deshalb zusammengetan. Kurzerhand wurde ein eigenes Drehbuch geschrieben und mit einer Videofirma ein 30-Sekunden-Film gedreht.

“Das ist alles in einer Woche geschehen”, erzählt Gaißberger. Die Produktion ist durchdacht und professionell: Denn das Video nimmt zu Beginn mit einem kleinen Schweinderl sofort Bezug auf die Werbelinie von Ja!Natürlich. Weiter geht es mit einem kleinen Jungen, der seinen Vater über die “Löcher” im Boden fragt. “Die sind von den Regenwürmern”, antwortet dieser. “Ah, de gibt´s do a”, reagiert der kleine Bub – eine klare Anspielung auf den Werbespot von Ja!Natürlich, der Regenwürmer nur im Bio-Boden sieht. Der Spot der jungen Landwirte verbindet schließlich die Bio- und die konventionellen Landwirte, wenn der Bauer sagt: “Jeder Bauer schaut auf seine Regenwürmer, egal ob Bio oder nicht. Sonst würde bei uns ja nichts wachsen.”

Auch der Schluss des Videos gibt noch ein klares Statement mit: “Red mit den Bauern. Glaub nicht dem Großkonzern”, heißt es dort. Denn die jungen Landwirte wollen eben “ehrliche Werbung für ehrliche Landwirtschaft” machen, so Matthias Gaißberger. Durch Falschinformation diverser Medien werde die Arbeit der Bauern hingegen in ein schlechtes Bild gerückt.

Das Video haben die jungen Landwirte über eine neue Facebookseite “Aus Liebe zur Landwirtschaft” gepostet. Nach dem ersten Tag wurde es bereits 49.000 Mal angesehen. Ob weitere Videos oder Aktion folgen, ist noch offen. Die Resonanz auf dieses Video “wäre jedenfalls aufgelegt für Folgeprojekte”, sagt Gaißberger.

Erfolg für Bauern und Bauernbund – Werbespot wurde zurückgezogen

Die fünf jungen Landwirte waren nicht alleine bei ihrem Protest gegen den Werbespot. Zahlreiche Bauern – bio und konventionell – haben in sozialen Medien ihrem Ärger über den Spot Luft gemacht. Gleichzeitig hat Bauernbund-Präsident Georg Strasser das direkte Gespräch mit den Verantwortlichen von Ja!Natürlich und Rewe (Anm.: „Ja!Natürlich“ ist die Handelsmarke des Rewe-Konzerns, zu dem Billa, Merkur, Adeg und Bipa gehören) gesucht. Das alles hat nun Erfolg gezeigt. Der Werbespot wurde zurückgezogen und ist auch auf der Homepage von Ja!Natürlich nicht mehr zu finden. “Einzelne Passagen werden nun neu gemacht und dann erscheint der Spot in einer neuen Auflage”, sagt Susanne Moser-Guntschnig, Pressesprecherin bei Ja!Natürlich.

Georg Strasser freut sich über den gemeinsamen Erfolg und hob das Video “als hervorragend gemachten und kreativen Beitrag” hervor. “Die Aktivitäten der Jungbauern waren für mich eine große Unterstützung bei den Gesprächen mit Rewe”, so Strasser, und weiter: “Die Vernunft hat gesiegt – das haben wir gemeinsam erreicht.”

In einem Kommentar auf Facebook betonen die Verantwortlichen von Ja!Natürlich, dass man “keine Schwarz-Weiß-Malerei” betreiben oder andere schlecht machen wolle. “Auch eine Vielzahl konventionell wirtschaftender Landwirte behandelt die wichtige Ressource Boden sehr nachhaltig”, heißt es dort. Man wolle das Gemeinsame vor das Trennende stellen und gemeinsam für einen gesunden Boden eintreten.




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