Borkenkäfer-Massenvermehrung – Gefährdung für den heimischen Wald

Aufgrund der extrem trockenen und warmen Witterung schreitet der Borkenkäferbefall in weiten Gebieten Oberösterreichs rapide voran.

Dürrebedingter Borkenkäferbefall führte zum immensen Absterben von Fichtenbeständen. (LK OÖ - Reh)

Karte Käferbefall (Land OÖ)

Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen des heurigen Frühjahrs und Sommers setzen den heimischen Wäldern massiv zu. Hauptschadensgebiete sind das Mühlviertel, das Alpenvorland sowie das Inn- und Hausruckviertel. Zunehmend tritt der Borkenkäfer aber auch in anderen Regionen auf, in denen die Niederschlagsmenge der letzten Monate nicht ausreichend war. In Oberösterreich sind im Jahr 2018 bereits 500.000 Festmeter Borkenkäferschadholz angefallen. Dies ist die dreifache Schadholzmenge des außerordentlich hohen Vorjahresniveaus. Ein Ende der Borkenkäfermassenvermehrung ist nicht in Sicht. „Die Fichte ist mit einem Anteil von 63 Prozent die häufigste Baumart in Oberösterreich und die wichtigste Holzart für die leistungsstarke oberösterreichische Holzindustrie. Zudem erfüllen unsere Wälder vielfältige Funktionen für die Öffentlichkeit (Schutzfunktion, CO2-Speicher, Wohlfahrtswirkung, Erholungsfunktion) und stellen eine wichtige Einkommensquelle für die Waldbesitzer dar. Wir müssen alles tun, um nicht zuletzt aus volkswirtschaftlicher Sicht die Nadelholzvorräte der oberösterreichischen Wälder weitgehend zu erhalten“, so der Bauernbund-Landesobmann, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Hohe finanzielle Einbußen für die Waldeigentümer
Auch im benachbarten Waldviertel, in Bayern und Tschechien sind große Käferholzmengen am Markt. Dies führt bereits zu großen Preisverwerfungen und zu einem enormen Schaden für die Waldbesitzer. „Bei aktuellen Holzpreisen und Käferholzabschlägen von bis zu 35 Euro je Kubikmeter, wie sie derzeit am Holzmarkt zu verzeichnen sind, ist eine kostendeckende Waldbewirtschaftung kaum mehr möglich. Es ist mit einem Einkommensverlust im zweistelligen Millionenbereich für die oberösterreichischen Waldbesitzer zu rechnen“, macht LK-Präsident Franz Reisecker den Ernst der Lage klar. Aus den geminderten Erträgen haben die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer eine Vielzahl von Aufgaben zu erledigen (etwa Aufforstung, Durchforstung, Walderschließung). 

Aufarbeitung und Abtransport des Schadholzes
Die wichtigsten Maßnahmen der Borkenkäferbekämpfung sind das rechtzeitige Auffinden von befallenen Käferbäumen sowie die umgehende Aufarbeitung und der Abtransport des Schadholzes aus dem Wald. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer werden daher aufgerufen, die Bestände weiterhin wöchentlich auf frischen Borkenkäferbefall zu kontrollieren. Intensive Käfersuche ist auch jetzt noch unerlässlich, um die große Zahl an Borkenkäfern abzuschöpfen. „Die Aufarbeitung des Käferholzes ist für die Waldeigentümerinnen und -eigentümer eine enorme Herausforderung. Sie haben sowohl heuer, als auch in den letzten Jahren außerordentliche Anstrengungen unternommen und die Befallsherde aufgearbeitet“, so Hiegelsberger. Die rasche Holzabfuhr als kostengünstigste „Borkenkäferbekämpfung“ gestaltet sich jedoch sehr schwierig, da der Nadelsägerundholzmarkt weiterhin überlastet ist.

Klares Bekenntnis zu österreichischem Holz notwendig
Aufgrund der guten Wirtschaftsentwicklung kann die österreichische Holzindustrie aktuell ihre Produkte weitgehend gut absetzen. Doch die Aufnahmekapazitäten infolge des stark erhöhten Einschnittes gelangen an ihre Kapazitätsgrenzen. Im Rahmen des zweiten runden Tisches Ende August gemeinsam mit der Forst- und Holzwirtschaft appellierte daher die landwirtschaftliche Vertretung an die Holzindustrie, den Import von Rundholz, soweit es die ausländischen Geschäftsbeziehungen zulassen, zu verringern und dem heimischen Holz – soweit es die Verträge zulassen – den Vorzug zu geben und die Verarbeitungskapazitäten weiterhin hoch zu halten. „Ein gutes Miteinander zwischen Holzproduzenten und Holzabnehmern ist das Fundament des in Österreich sehr erfolgreichen Wirtschaftssektors. Diese Zusammenarbeit ist gerade in diesem Ausnahmesommer von besonderer Bedeutung“, fordern Hiegelsberger und Reisecker abschließend.

Unterstützungsmöglichkeit für Waldbesitzer
Zusätzlich zu dem Zehn-Punkte-Maßnahmenkatalog wird auf Initiatve des Landes Oberösterreich das Verhacken von Restholz auf Mitteln der Ländlichen Entwicklung mit 80 Prozent gefördert. Das so erzeugte Hackgut kann nun auch verkauft oder selbst verheizt werden. Weitere Information auf der Website des Landes Oberösterreich. "In Summe werden rund 15 Mio. Euro für die Aufarbeitung und Wiederaufforstung zur Verfügung gestellt", erläutert Hiegelsberger. "Der Klimawandel verlangt nach stabilen Mischwäldern. Wir müssen alles daran setzen, Oberösterreichs Wälder gesund zu halten."

Presseunterlage des Landes OÖ

Presseunterlage der LK OÖ




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