Wintertagung 2015: Schulterschluss für Forcierung der Bioökonomie in Österreich

„Wirtschaften mit Zukunft: Ökosozial heißt, das Ganze sehen!“

Bildquelle: Strasser Robert

 

"Wenn wir in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen wir neue Produktionssparten und Märkte erschließen. Die Bioökonomie, die fossile Rohstoffe durch nachwachsende ersetzt, nimmt in einer zukunftsorientierten Nachhaltigkeitspolitik einen herausragenden Platz ein. Sie ist für uns die Umsetzung der Ökosozialen Marktwirtschaft. Davon profitiert der einzelne Landwirt genauso wie die Industrie und die Wirtschaft. Unsere Wirtschaft ist derzeit fossil dominiert, und das obwohl wir viele heimische erneuerbare Wertstoffe haben. Aus Maisspindeln kann mittlerweile Bio-Plastik hergestellt werden, Algen werden zur Herstellung von Omega 3 Säuren eingesetzt. Auch Autoreifen aus Löwenzahn sind heute schon gelebte Realität. Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, müssen wir verstärkt auf Forschung setzen. Wichtig ist, dass es ökonomisch funktioniert, denn nur dann können auch soziale und ökologische Grundsätze verwirklicht werden", so der Präsident des Ökosozialen Forums Österreich Stephan Pernkopf.

Für Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter ist die Bioökonomie ein Schlüssel zur Zukunft: "Um den großen Herausforderungen unserer Zeit - Klimawandel und Energiewende, Lebensmittelsicherheit und Ressourcenknappheit - gerecht werden zu können, brauchen wir technologische und soziale Innovationen. Dafür brauchen wir eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Forschung." Im Zentrum des "Zukunftsraums Land" stehe eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und starke Landwirtschaft. Rupprechter: "Wir müssen unternehmerisches Denken und Handeln stärken, in die Bildung unserer Jugend und in die Weiterbildung investieren und die Konsumenten mit hochwertigen Produkten überzeugen."

In diesem Zusammenhang verwies der Minister auf das von der EU beschlossene Selbstbestimmungsrecht beim Gentechnikanbau: "Wir gehen noch einen Schritt weiter und wollen den Anbau von GVO-Pflanzen per Gesetz verbieten. Damit garantieren wir, dass die österreichischen Felder gentechnikfrei bleiben. Damit schaffen wir Sicherheit für die Konsumenten und die Bauern", betonte der Minister.

Grundstein für österreichischen Bioökonomiestrategie gelegt

Bereits 2014 wurde der Grundstein für einen österreichischen Aktionsplan gelegt, der in einer nationalen Bioökonomiestrategie münden soll und an dem das Ökosoziale Forum derzeit gemeinsam mit BIOS Science Austria arbeitet. Konkret geht es darum, jene Bereiche zu identifizieren, wo es Aufholbedarf gibt. Österreich hat bereits zahlreiche Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die in diesen Bereichen innovativ tätig sind und die ein stabiles Fundament für die Weiterentwicklung darstellen.

Auch auf europäischer Ebene ist die Bioökonomie ein wichtiges Thema. Schon 2012 hat die Europäische Kommission die europäische Bioökonomiestrategie veröffentlicht, weil die rapide Erschöpfung vieler Ressourcen, zunehmende Umweltbelastungen und der Klimawandel eine radikale Änderung bei Produktion, Konsum, Verarbeitung aber auch beim Recycling notwendig machen. Ziel der Europäischen Kommission ist es, Europas Wirtschaft auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen und gleichzeitig neue, lukrative Wertschöpfungsketten zu erschließen.

"Die Bioökonomie wird die europäische Wirtschaftslandschaft verändern und zu mehr Vernetzung zwischen den verschiedenen Sektoren führen", ist auch die Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger überzeugt, "schon heute sind EU-weit 22 Millionen Menschen im Bioökonomiesektor tätig. Das sind neun Prozent der gesamten europäischen Erwerbsbevölkerung. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von zwei Billionen Euro. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Bioökonomie. Mehrere Mitgliedsstaaten der EU - wie zum Beispiel Deutschland oder Finnland - haben bereits nationale Bioökonomie-Strategien entwickelt. Wichtig ist, dass sich jedes Mitgliedsland seiner Stärken bewusst wird und sich auf Kernkompetenzen konzentriert. Bei uns in Österreich als Waldland kann beispielsweise Holz eine große Rolle spielen."

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich Hermann Schultes sieht in der Bioökonomie eine große Chance für die Land- und Forstwirtschaft: "Die bäuerlichen Betriebe werden gestärkt, da sie neue innovative Wege beschreiten und so als Wirtschaftsmotor für die gesamte Region fungieren können. Eines bleibt dabei klar: Die Erzeugung von Lebensmitteln und Futter für die Tiere wird stets an erster Stelle stehen. Und ebenso klar ist, dass die Bauern die Rohstoffe für Industrie und Energie ebenso nachhaltig erzeugen werden wie die Lebensmittel. Ziel ist es, von klimaschädlichen fossilen Rohstoffen wegzukommen. Damit wird man auch von politisch nicht berechenbaren Potentaten, in deren Händen sich der größte Teil der Öl- und Gasvorräte befindet, unabhängiger. Die Bioökonomie wird auch dazu beitragen, dass wir unsere Produkte breiter absetzen können. Denn zukünftig werden auch Nebenprodukte, Ernterückstände und Reststoffe, die bis dato keinen Absatz gefunden haben, genützt werden. Das macht uns widerstandsfähiger."

Abschließend waren sich alle vier RednerInnen einig: "Unsere Land-und Forstwirte spielen bei der Bioökonomie als Rohstoffproduzenten eine bedeutende Rolle: Sie stellen die biologischen Rohstoffe zur Verfügung, die es schaffen, unsere Wirtschaft zu revolutionieren."


nach oben