Bauer Willi: Das Dilemma der Essensmacher

Von der Idylle zur Realität - das Leben ist kein Ponyhof

„Die Landwirtschaft braucht mehr und kreativere Kommunikation“, sind sich die Direktorin des OÖ Bauernbundes, Maria Sauer und Bauer Willi einig (Foto: Bauernzeitung)

„Wie geschieht heute Meinungsbildung?“ Mit dieser Frage leitete der Ackerbauer, Buchautor und Agrarblogger aus dem Rheinland, Dr. Willi Kremer-Schillings, in den Medien besser bekannt als „Bauer Willi“, den Fachabend des OÖ Bauernbund zum Thema „Das Dilemma der Essensmacher“ in der Gartenbauschule Ritzlhof vor mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern ein. Zeitung, Rundfunk und Fernsehen sind die bekanntesten Medien, welche die Meinungsbildung beeinflussen. Zunehmend geschehe Meinungsbildung auch über soziale Medien, wobei die Landwirte hier nur kaum vertreten sind, so Bauer Willi. Er kritisierte, dass in den Medien vielfach mit der Verbreitung von Schlagworten und Halbwahrheiten das Bild der Landwirtschaft in den Köpfen der Menschen bestimmt werde. „Einfach Lügen haben es leichter als komplizierte Wahrheiten“, stellte Bauer Willi fest. Und die Wahrheiten der Landwirte seien oft kompliziert und nicht in zwei Sätzen zu erklären. Aber genau da gelte es anzusetzen und in den Dialog mit der Gesellschaft zu treten, vor allem in den sozialen Medien. „Die Bauern sind oftmals Wortökonomen“, so Bauer Willi, „wir reden zu wenig mit unseren Mitbürgern über uns und unser Tun. Dabei ist die Beziehungspflege mit unseren Kunden besonders wichtig“.

 

Öffentlichkeitsarbeit ist ein eigener Betriebszweig

In der Gesellschaft ist der direkte Bezug zur Landwirtschaft vielfach verloren gegangen. Die Vorstellungen über das Leben und Arbeiten am Bauernhof und die Realität klaffen oft sehr weit auseinander. An diesem Dilemma ist die Landwirtschaft nicht ganz unschuldig. „Wir haben die Mitbürger nicht mitgenommen auf dem Weg vom bunten Bauernhof mit vielen Tieren zur heutigen Wirtschaftsweise, die vielfach in der Kritik von Teilen der Gesellschaft steht,“ so Bauer Willi. Wie kann nun ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma aussehen? Umfragen zufolge werden die Landwirte als sehr vertrauenswürdig eingeschätzt. „Die Bürger mögen uns als Menschen, lehnen aber unsere Art der Landwirtschaft ab“, war eine der Thesen von Bauer Willi. Die Bäuerinnen und Bauern müssten wieder in einen ernsthaften Dialog treten mit den Mitbürgen, denn nur sie können die Landwirtschaft am authentischsten vertreten. „Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege müssen dabei wie ein eigener Betriebszweig gesehen werden, der auch Zeit und Geld kostet“, so der Ackerbauer aus dem Rheinland. Und etwas mehr Mut im eigenen Kommunikationsverhalten sei auch notwendig. So haben die Beiträge über „Kartoffeln aus Bodenhaltung“ und „Tomaten aus Anbindehaltung“ innerhalb kürzester Zeit mehr als 60.000 Klicks erreicht. „Das zeigt, dass wir auch bei ernsten Themen mit pfiffigen Aussagen den Dialog mit der Gesellschaft ankurbeln können. Denn wer kann den Bauernhof besser und glaubwürdiger zeigen als die Bäuerin und der Bauer persönlich“, so Bauer Willi.


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