Bauernjahr 2014: Positive Markterwartungen nicht erfüllt - Stabile Rahmenbedingungen geschaffen

Die OÖ Bäuerinnen und Bauern sind mit positiven Marktaussichten und unsicheren agrarpolitischen Rahmenbedingungen ins heurige Jahr gestartet. Völlig konträr stellt sich die Lage nun zum Jahresende dar.

Bildquelle: LK OÖ

„Während die Erwartungen auf wichtigen Agrarmärkten wie bei Getreide und Schweinefleisch klar nicht erfüllt wurden, konnte bei den agrarpolitischen Rahmenbedingungen mit der detaillierten Ausgestaltung der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik und der Genehmigung des Programmes Ländliche Entwicklung endlich wieder für einige Jahre Rechts- und Planungssicherheit geschaffen werden. Abgeschlossen wurde das Gesamtpaket zur neuen Agrarpolitik zuletzt auf Landesebene mit der Umsetzung eines neuen Landes-Grünlandprogrammes sowie einem eigenen Landesprogramm zur Bergbauernförderung“, zieht LK-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker eine erste Bilanz zum Bauernjahr 2014.

 

Russlandkrise belastet die Agrarmärkte

Das russische Importembargo für Lebensmittel hat heuer vor allem den Schweine- und Milchmarkt, sowie den Obst- und Gemüsemarkt belastet. Im Bereich des Milchmarktes konnte durch Marktinterventionen der EU vorerst ein größerer Preisrückgang vermieden werden. Entgegen der sonst üblichen Preisanstiege im Herbst waren die Milcherzeuger zuletzt aber mit Preisrücknahmen konfrontiert. Insgesamt liegen die Auszahlungspreise bei Milch heuer über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Landwirtschaftskammer fordert die Gewährung von EU-Exporterstattungen für Milchprodukte, um eine weitere Marktstabilisierung zu ermöglichen.

 

Am Schweinemarkt sind die Erzeuger seit März mit stark rückläufigen Preisen konfrontiert. Die ursprünglichen Preiserwartungen für das heurige Jahr wurden um etwa 10 Cent je Kilogramm Schlachtgewicht verfehlt. Oberösterreichs Schweinebauern haben dadurch heuer Erlöseinbußen im Ausmaß von ca. 20 Millionen Euro zu verbuchen. Dieser Verlust muss von Ferkelerzeugern und Mästern gemeinsam getragen werden. Trotz Forderungen der Bauernvertretung lehnt die EU-Kommission am Schweinemarkt den Einsatz von Marktordnungsinstrumenten weiterhin ab und setzt auf den Marktmechanismus zur Bereinigung der Marktkrise (Produktionsrückgänge durch niedrigere Preise). Durch intensive politische Bemühungen Österreichs ist es zuletzt aber gelungen, für Schweinefleisch neue Absatzmärkte in China und Südkorea zu erschließen. Diese Handelserleichterungen sollten im kommenden Jahr eine gewisse preisunterstützende Wirkung entfalten.

 

Am Getreidemarkt gab es heuer in der EU mit 322 Millionen Tonnen die historisch höchste Erntemenge, was einen erheblichen Preisdruck zur Folge hatte. Erst durch die Euro-Schwäche der letzten Wochen konnten steigende Drittlandexporte und damit wieder Preisverbesserungen bei Getreide erzielt werden.

 

Gemeinsame Agrarpolitik bietet wieder Stabilität

Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik wurden im heurigen Jahr wichtige Details der Reformumsetzung festgelegt. So ist es auf intensives Drängen der Bauernvertretung gelungen, dass auch der Anbau von stickstoffsammelnden Kulturen sowie von Zwischenfrüchten für die 5-prozentige Biodiversitätsverpflichtung im Rahmen des sogenannten Greenings der Direktzahlungen angerechnet wird. Zudem erhalten Junglandwirte nun in den ersten fünf Jahren ab Betriebsübernahme einen Zuschlag von 71 Euro je Hektar zu ihren Direktzahlungen.

 

Im Rahmen des Programmes Ländliche Entwicklung konnte bereits zu Jahresbeginn die 50-prozentige nationale Kofinanzierung im neuen Regierungsprogramm verankert werden. Mitte Dezember erfolgte nun die formelle EU-Genehmigung für das neue Agarumwelt-programm ÖPUL, die Bergbauern-Ausgleichszulage, die Existenzgründungsbeihilfe für Junglandwirte sowie die neue agrarische Investitionsförderung. „Die Agrarpolitik bietet damit unseren bäuerlichen Betrieben endlich wieder Sicherheit und Planbarkeit bei unternehmerischen Entscheidungen, auch wenn die Umsetzung des neuen Direktzahlungs-modelles auf vielen Betrieben mit massiven unternehmerischen Herausforderungen verbunden ist“, erklärt Kammerpräsident Reisecker.

 

Agrarische Landesprogramme bieten unverzichtbaren Flankenschutz

Nach dem Auslaufen der EU-Genehmigung für das bisherige Landesgrünlandprogramm und den Milchgeldzuschuss konnte die Landwirtschaftskammer ein neues Landes-Grünlandprogramm mit einer Prämie von 40 Euro je Hektar für Betriebe mit über 40 Prozent Dauergrünlandanteil sowie einem Viehbesatz von 0,5 raufutterverzehrenden Großvieheinheiten durchsetzen. Insgesamt stehen dafür 6,4 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Weiters gewährt das Land OÖ ab 2015 im Rahmen eines Landesprogrammes eine Zusatzzahlung von 20 bzw. 40 Euro zur Bergbauern-Ausgleichszulage. Aufgrund bestehender EU-Vorgaben darf diese Zusatzzahlung für maximal 15 Hektar je Betrieb gewährt werden. Dadurch ergibt sich ein maximaler zusätzlicher Förderbetrag von 600 Euro je Bergbauernbetrieb. Insgesamt werden dafür 4,6 Millionen Euro aus Landesmitteln aufgewendet.

 

„Die neuen agrarischen Landesförderungen ermöglichen eine gezielte Abfederung von Problembereichen der neuen GAP-Reform. Damit kann die Wettbewerbsfähigkeit oberösterreichischer Grünland- und Bergbauernbetriebe weiter gestärkt und so ein Beitrag zur Sicherung des agrarischen Produktionsstandortes Oberösterreich geleistet werden“, zeigt sich LK-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker über die Unterstützung des Landes OÖ erfreut.

 


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