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Ramschpreise ruinieren bäuerliche Familienbetriebe

Foto: Bauernbund

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Mehrere Hundert oberösterreichische Bäuerinnen und Bauern haben heute, Donnerstag, auf Initiative von Landesobmann LR Max Hiegelsberger vor der Auslieferungszentrale von SPAR in Marchtrenk für eine faire Partnerschaft mit dem Handel demonstriert. „Wir fordern einen gerechten Preis für die qualitativ hochwertigen bäuerlichen Produkte. Die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln ist zu diesen Preisen nicht mehr möglich“, stellt Bauernbund-Direktorin Maria Sauer anlässlich der Kundgebung klar.

Die Situation auf den wichtigen Agrarmärkten, im Besonderen bei Fleisch und Milch, ist bereits seit fast zwei Jahren äußerst angespannt. Auch mit Blick auf das Jahr 2016 ist keinerlei Trendwende bei den Erzeugerpreisen erkennbar. Die Landwirtschaft ist keine Branche wie jede andere. Um die Höfe zukunftsfit zu machen, haben Österreichs Bauern ihre Betriebe für viel Geld modernisiert. Geholfen hat es nichts – im Gegenteil: Ihre Erlöse sinken dramatisch, ganze Märkte fallen weg. Viele Höfe, die über Generationen im Familienbesitz waren, müssen aufgeben, obwohl sie ordentlich gewirtschaftet haben. „Unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren nicht nur Lebensmittel, sie prägen auch die Kulturlandschaft und damit den Lebensraum der Menschen in ganz Österreich“, argumentiert Sauer, „wenn es schlecht läuft, können sie ihre Höfe nicht einfach ins Ausland verlagern.“

Das Geld kommt bei den Bauern nicht mehr an

Die Situation für die Landwirte verschärft sich zunehmend. „Die Preiskrise ist mittlerweile für unzählige Familienbetriebe existenzbedrohend“, so der Vizepräsident der OÖ Landwirtschaftskammer, Karl Grabmayr. Einen 28%-igen Einkommenseinbruch innerhalb von vier Jahren kann keine Berufsgruppe so leicht verkraften und es zeichnet sich für heuer keine Trendwende ab. „Wenn sich die Situation weiterhin so entwickelt, reden wir nicht mehr von einem Strukturwandel sondern von einem Strukturbruch! Die Landwirtschaft so wie wir sie kennen, wird es dann in Zukunft nicht mehr geben“, bringt Grabmayr die aktuelle Situation auf den bäuerlichen Familienbetrieben auf den Punkt.

Aufgrund dieser für die bäuerlichen Familienbetriebe aussichtlosen Situation hat der Oberösterreichische Bauernbund heute eine Protestkundgebung bei der SPAR-Zentrale in Marchtrenk durchgeführt. Dabei wurde an den Geschäftsführer Dir. Jakob Leitner eine „Petition für eine faire und verantwortungsbewusste Partnerschaft mit den Bäuerinnen und Bauern“ übergeben.

Die Bäuerinnen und Bauern fordern darin:

  • Eine faire Bezahlung für unsere Leistungen!
  • Eine klare Deklaration und Herkunftskennzeichnung der verwendeten Rohstoffe – keine Konsumententäuschung!
  • Kein Preisdumping auf Kosten der Landwirtschaft!
  • Ein klares und gelebtes Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft und deren Produkte!
  • Mehr heimische, regionale Produkte in Regionalregalen, wie es viele selbstständige Lebensmittelkaufleute vorzeigen!

Vieles wie Tierschutz, Umweltschutz, Landschaftspflege, Gentechnikfreiheit, Schutz vor Naturgefahren oder die Bewirtschaftung unsere attraktiven Lebens- und Erholungsraums kann man nicht importieren. „Die gesellschaftlichen Anforderungen können nur erfüllt werden, wenn die bäuerlichen Familien ihre Betriebe weiter bewirtschaften können. Das bedingt Erzeugerpreise, welche es den Bauern ermöglichen, ein Einkommen für ihre Familien zu erwirtschaften“, argumentiert der Bezirksbauernbund-Obmann Josef Diermayr, selbst Milchbauer aus Neuhofen im Innkreis.

Die schwieriger gewordene Marktsituation für die Landwirtschaft wird begleitet von einer – seit Jahren anhaltenden - steigenden Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel in Österreich. So erzielen die drei großen Handelsketten Rewe, Spar und Hofer mittlerweile einen Marktanteil von 85% im Lebensmitteleinzelhandel, eine der größten Handelskonzentrationen in ganz Europa. Der Handel trägt somit eine große Verantwortung gegenüber den Konsumenten sowie den Bäuerinnen und Bauern. „Die heimische Landwirtschaft darf nicht nur ein Werbegag sein, es muss auch das Bewusstsein für regionale Lebensmittel zu einem gerechten Preis in den Mittelpunkt gerückt werden, weil wir viel mehr liefern als Milch, Fleisch und Getreide“, fordert die Bäuerin Stefanie Zauner aus Kleinzell eine echte Partnerschaft und ein ehrliches Signal der Wertschätzung für unsere Lebensmittel. Wir bekennen uns zur Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelhandel und den Verarbeitungsbetrieben. Wir verlangen aber, dass das vielfach geäußerte Bekenntnis zur Regionalität auch fair gelebt wird und die Mehrleistung auch bezahlt wird.

Längst haben die großen Handelsketten den Trend der Regionalität entdeckt. Jährlich fließen Millionen Euro an Werbegeldern, um die Regionalität als Alleinstellungsmerkmal der Unternehmen hoch zu loben. Diejenigen, die für die Regionalität bürgen, die Bäuerinnen und Bauern, bekommen aber meist nur Weltmarktpreise gezahlt. Die Bauernbund-Direktorin Maria Sauer appelliert daher abschließend an die Verantwortlichen im Handel: „Wir verwehren uns aufs Schärfste gegen weitere Verdrängungstendenzen österreichischer Erzeugnisse aus den österreichischen Regalen. Es ist an der Zeit für ein neues Miteinander auf Augenhöhe!“

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