Hiegelsberger: Stoppt die „chronische Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln / Das System der Handelsriesen krankt

Heute demonstrieren nicht nur in Oberösterreich, sondern auch in anderen Bundesländern Bäuerinnen und Bauern vor den SPAR-Filialen und Zentrallagern. In Oberösterreich fuhren mehr als tausend Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren auf, weil ein Entgegenkommen bei den Preisverhandlungen ausgeblieben ist und sich der Chef des Handelsriesen „wie ein Feudalherr“ den Bauern gegenüber benimmt. Die Forderungen des Bauernbundes richten sich aber an alle Handelsriesen. Immerhin fast 90 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels ist in der Hand von nur drei Unternehmen, die Übermacht daher erdrückend. Die Handelskonzerne stellen sich mit ihrem Einkaufsverhalten gegen die heimischen Bauernfamilien und somit gegen die nachhaltigste Form der Landwirtschaft. Die Forderungsliste des Bauernbundes beinhaltet faire Preise für die landwirtschaftlichen Produkte, einen Stopp der „überbordenden Aktionitis“ auf Kosten der Verarbeiter und Produzenten, einen Regionalbonus auf heimische Lebensmittel und ein Ende der Konsumententäuschung mit den rot-weiß-roten Fähnchen. 

Bauernbund-Landesobmann LR Max Hiegelsberger fordert ein Umdenken von Seiten des Handels: „Wir stehen heute vor den SPAR-Filialen, weil sich gerade SPAR Österreich trotz unserer Bemühungen bei den Verhandlungen im Milchbereich gegen die kleinstrukturierten Familienbetriebe entschieden hat und sich sogar, wie in Tageszeitungen zu lesen war, mehr Dankbarkeit seitens der Bauern erwartet“. Die Proteste sind ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik, denn dieses Einkaufsverhalten zerstört nachhaltige familiengeführte Landwirtschaft und raubt den Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern die Perspektiven.

SPAR macht die Rechnung ohne die Bauern

Ein Grund für die Protestaktionen ist zudem der steigende Druck auf den Agrarmärkten in einer Zeit, in der gleichzeitig auch die Standards in der Produktion permanent nach oben geschraubt werden. „Die aktuell positive Preisentwicklung in Teilen der Landwirtschaft kann mehr als zehn Jahre stagnierende oder sinkende Einkommen nicht kompensieren“, sagt Hiegelsberger. Auch bei der Bewältigung des Klimawandels kommt den Bauernfamilien eine bedeutende Rolle zu. „Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem. Das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von der Abnehmerseite dazu. Da Gespräche nichts gebracht haben, müssen wir zu entsprechenden Maßnahmen greifen, um die Menschen aufzuklären“, sagt der OÖ Bauernbundobmann.

An Mitarbeiter und Konsumenten wurden vor Ort Informationen verteilt, da es nicht darum geht, zu jammern, sondern auf die Einkommenssituation auf den Höfen aufmerksam zu machen. Bei der Milch ist es ein Faktum, dass der Preis für die Bauern seit über 20 Jahren fast gleich ist. Und das bei immer höheren Qualitäts-, Umwelt- und Tierwohlstandards. Den Preis für diese höhere Qualität zahlen seit langem die Bäuerinnen und Bauern. Und nun geht es sich nicht mehr aus. Über 1000 Milchviehbetriebe haben im letzten Jahr aufgegeben. Der massive Preisdruck zwingt die Bauern zur Aufgabe.

Bauernbund fordert:

Stoppt die „überbordende Aktionitis“ der Handelsriesen

„Mehr Leistung und mehr Fleiß für weniger Geld geht sich nicht aus. Das bekommen wir Bauern und jetzt auch die lebensmittelverarbeitenden Unternehmen zu spüren. Wir fordern deshalb einen Stopp dieser permanenten Aktionitis bei heimischen Lebensmitteln“, betont Hiegelsberger. Lediglich 9,7 Prozent des Haushaltseinkommens wird durchschnittlich noch für Lebensmittel ausgegeben. Dem Bauernbund geht es nicht um eine Verteuerung von Lebensmitteln, sondern um eine gerechte Aufteilung der Margen entlang der Wertschöpfungskette. „Seit Jahren ist es ein unsäglicher Kampf zwischen Groß und Klein. Rund 150.000 bäuerliche Betriebe stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während SPAR in einem Jahr 352 Mio. Euro Gewinn verzeichnet. Dieses Ungleichgewicht ist für die Bauern ruinös“, so der Bauernbundobmann.

Österreichbonus für österreichische Qualität

Mehr Wertschätzung für Österreichs Vorreiterrolle beim Umwelt- und Tierschutz durch eine faire Preisgestaltung. Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind die ersten Betroffenen und gleichzeitig Teil der Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels. Österreichische Standards zu Weltmarktpreisen sind nicht möglich. Wir fordern einen „Österreichbonus“ für in Österreich produzierte Lebensmittel!

Aus für rot-weiß-rote Fähnchen

„Wir fordern das Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung!“, so die konkrete Forderung des Bauernbundes.